Das Quartier Eichkamp liegt im Stadtteil Resser Mark in Gelsenkirchen und ist ein typischer und weit verbreiteter Quartierstyp mit Mehrfamilienhäusern aus den 1950er Jahren in den Energieeffizienzklassen von C bis F.
Bislang erfolgte die Versorgung der Wohngebäude durch Gaskessel. Im Rahmen des Projekts Future-iQ „Beschleuniger der Energiewende im Quartier“ entsteht nun eine innovative Wärmelösung, die nachhaltige Wärmequellen nutzbar macht. Es soll außerdem – unterstützt durch die Forschung der Fraunhofer Institute UMSICHT und FIT – die zukünftige Umsetzung von Versorgungskonzepten für ähnliche Quartiere beschleunigen.
Fachplanung für Energiezentrale und Wärmenetz im Projekt Future-iQ
Averdung erstellte bereits die Machbarkeitsstudie für 67 Wohngebäude der Siedlung und erhielt anschließend den Zuschlag für die General- und Fachplanung der Energiezentrale sowie des Nahwärmenetzes. Die Expert:innen von Averdung verantworten das Projekt über die HOAI-Leistungsphasen 1 bis 8 – von der technischen Konzeption und Auslegung der Anlagentechnik bis zur Umsetzung der Energieversorgung.
Abwasserwärme und Großwärmepumpe als Basis des Energiekonzepts
Kern des Energiekonzepts und zentrales Element der Fachplanung ist die Nutzung von Abwasserwärme für die Quartiersversorgung. In unmittelbarer Nähe zur Siedlung verläuft der Abwasserkanal Holzbach dessen thermisches Potenzial für die Wärmeversorgung erschlossen wird. Die Abwärme wird durch Abwasserwärmetauscher (geplant durch UHRIG ENERGIE und BETREM GmbH) für die Wärmeversorgung nutzbar gemacht. Sie stellt eine erneuerbare, lokal verfügbare Energiequelle für die weitere Nutzung durch eine Wasser-Wasser-Wärmepumpe dar.
Diese Großwärmepumpe wird auf die Bereitstellung der Grundlast ausgelegt und soll einen Großteil (mehr als 90 %) der benötigten Wärmemengen bereitstellen. Die Anlage wird mit dem natürlichen Kältemittel Ammoniak betrieben und ist Hauptbestandteil der zentralen Energiezentrale. Ein Warmwasserspeicher ermöglicht die stundenweise Zwischenspeicherung von Wärme und trägt zur Flexibilisierung des Systems bei.
Zur Abdeckung von Spitzenlasten wird ein Gaskessel integriert, der zur Absicherung mit 1 MW dimensioniert ist, jedoch nur unter 10 % des gesamten Heizwärmebedarfs von knapp 1.900 MWh abdeckt. Auf dem Gebäude der Energiezentrale sowie den Bestands-Wohngebäuden sollen bzw. werden Photovoltaikanlagen errichtet, um bilanziell Klimaneutralität zu erreichen.

In der Eichkampsiedlung in Gelsenkirchen spielt insbesondere die Harmonisierung der technischen Anlagen miteinander eine große Rolle. Dies trägt entscheidend zur Systemeffizienz und letztlich auch zur Versorgungssicherheit bei.
M.SC. Carolin Fleschhut, Projektleiterin
Energiezentrale: Integration von Wärmequelle und Anlagentechnik
Im Projekt Future-iQ erfolgt die Planung der Energiezentrale als integrierter Standort für die zentralen Anlagenteile – insbesondere Großwärmepumpe, Speicher und Spitzenlastkessel. Neben der anlagentechnischen Auslegung umfasst die Fachplanung auch die räumliche Einbindung der Energiezentrale in das Quartier: Der Neubau wird so konzipiert, dass er sich funktional und gestalterisch in die bestehende Siedlungsstruktur einfügt. Ein spezielles Detail lässt die Herzen von Technik-Fans höher schlagen: Fenster gewähren einen Einblick in das Innere der Energiezentrale.


Leistungen
- Generalplanungsleistung für Nahwärmenetz und Energiezentrale
- Fachplanung technische Ausrüstung der Energiezentrale und Nahwärmenetz HOAI LPH 1 – 8
- Koordination der Nachunternehmer für Objekt- und Tragwerksplanung
- Planung der Schnittstelle zum Abwasser-Wärmeübertrager
Besonderheiten
- Nahwärmenetz mit einer Trassenlänge von ca. 1,8 km
- 500 kW Ammoniak-Wärmepumpe
- 1 MW Gaskessel für Spitzenlast
- 38 m3 Warmwasserspeicher
- Wärmeversorgungsprojekt in unsaniertem Bestand
Partnerunternehmen

Im März 2026 erfolgte der Spatenstich für das Projekt Future-IQ zur Energiezentrale mit den Projektteilnehmenden. Die Inbetriebnahme soll Anfang 2027 abgeschlossen werden.

Beitragsbild: © Voltagy GmbH. Danke für die Bereitstellung!