Besuch der Wärmebox in Langenhorn (Schleswig-Holstein): Erkenntnisse für die Planung von Großwärmepumpen

Niklas Wulff mit Verantwortlichen von Hansewerknatur und Fenagy. Im Hintergrund die Großwärmepumpe, die in Langenhorn in Betrieb gegangen ist.

Kürzlich besuchten Christian Lentz und Niklas Wulff den offenen Tag der Wärmebox in Langenhorn (Schleswig-Holstein). Die von HanseWerk Natur betriebene Anlage wurde im Herbst 2025 gemeinsam mit dem dänischen Unternehmen FENAGY errichtet und gilt als erste CO₂-Containerwärmepumpe dieser Art in Schleswig-Holstein.

Im Rahmen der Veranstaltung erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die technische Auslegung, den Betrieb und die Einbindung der Anlage in die lokale Wärmeversorgung. Neben Fachvorträgen bot insbesondere die Besichtigung der Wärmepumpe, des Verdampfers sowie des angeschlossenen Heizhauses Gelegenheit, praktische Erfahrungen mit der Technologie zu sammeln und mit Betreiber- und Herstellervertretern ins Gespräch zu kommen.

CO₂ als natürliches Kältemittel

Die Wärmebox nutzt CO₂ als natürliches Kältemittel. Solche Systeme können insbesondere bei hohen Vorlauftemperaturen und größeren Temperaturspreizungen Vorteile bieten. Für die fachplanerische Praxis war es daher wertvoll, die Technologie im realen Betrieb zu erleben und technische Fragestellungen direkt mit Herstellern und Betreibern zu diskutieren.

Großwärmepumpen auch für ländliche Wärmenetze

Ein zentrales Learning der Veranstaltung war, dass Großwärmepumpen nicht ausschließlich für urbane Wärmenetze geeignet sind. Die Anlage in Langenhorn zeigt, dass auch kleinere und ländlich geprägte Versorgungsgebiete von der Technologie profitieren können. Damit leisten Wärmepumpen einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung und zur stärkeren Nutzung regional verfügbarer Energiequellen.

Schallanforderungen frühzeitig berücksichtigen

Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Schallemissionen. Die Besichtigung vermittelte einen praxisnahen Eindruck der tatsächlichen Geräuschentwicklung von Verdampfern und Kompressoren. Gleichzeitig wurde deutlich, dass eine frühzeitige schalltechnische Planung entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung von Projekten ist. Durch geeignete technische und planerische Maßnahmen lassen sich die hohen Anforderungen an den Schallschutz in vielen Anwendungsfällen erfüllen.

Wärme- und Stromsysteme gemeinsam denken

Besonders interessant waren die Diskussionen zur zukünftigen Rolle von Großwärmepumpen im Energiesystem. Wärmepumpen entwickeln sich zunehmend von reinen Wärmeerzeugern zu flexiblen Systemkomponenten an der Schnittstelle zwischen Strom- und Wärmemarkt. Daraus ergeben sich neue Anforderungen an Planung und Betrieb.

Für Fachplaner:innen bedeutet dies, bereits in frühen Projektphasen mögliche Betriebsstrategien, Lastverschiebungen und zukünftige Schnittstellen mitzudenken. So können mittels Sektorenkopplung Flexibilitätspotenziale erschlossen werden, die sowohl dem Wärmenetz als auch dem Stromsystem zugutekommen.

Austausch mit Betreibern und Herstellern

Neben den technischen Erkenntnissen bot die Veranstaltung Gelegenheit zum Austausch mit Vertretern von Stadtwerken, Herstellern und Anlagenbauern. Insbesondere die Gespräche mit FENAGY und HanseWerk Natur lieferten wertvolle Einblicke in aktuelle Entwicklungen bei Großwärmepumpen sowie deren Einsatz in kommunalen Wärmeversorgungssystemen.

Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Großwärmepumpen längst keine Zukunftstechnologie mehr sind. Mit geeigneten Rahmenbedingungen und einer integralen Planung können sie bereits heute einen wichtigen Beitrag zur klimaneutralen Wärmeversorgung leisten.

Impressionen von der Besichtigung der Großwärmepumpe in Langenhorn (SH)

Danke für das Beitragsbild! © Niklas Wulff